Einfach machen – und sich selbst dabei treu bleiben

Elektrotechnik ist für Annika Zinke kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Früh geprägt, gegen Widerstände behauptet und heute fest in der Branche verankert, steht die junge Produktmanagerin bei der Wöhner GmbH und Co. KG aus Rödental für eine neue Generation technischer Fachkräfte. Eine, die Kompetenz, Reflexion und gesellschaftliches Engagement miteinander verbindet – und zeigt, dass Gleichberechtigung nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander entsteht.

Manchmal sind es kurze Augenblicke, die ganze Lebenswege prägen. Bei Annika Zinke war es die erste Physikstunde in der siebten Klasse. Ein Lehrer, der Experimente nicht nur vorführte, sondern Begeisterung für den Stoff vermittelte – Magnete, einfache Versuche, erklärende Bilder. »An diesem Tag stand für mich eigentlich schon fest: Ich will etwas Technisches machen«, erinnert sie sich. Das Interesse kam allerdings auch nicht von Ungefähr. Ihr Vater arbeitete viele Jahre im elektrotechnischen Vertrieb, technische Themen gehörten zum Alltag. Doch entscheidend war nicht das Umfeld allein, sondern die eigene Faszination für Zusammenhänge, für Physik »zum Anfassen«. Zunächst dachte Annika Zinke an ein Physikstudium, später kristallisierte sich die Elektrotechnik als das für sie passendere, konkretere Feld heraus – zukunftsorientiert, vielseitig und praxisnah.

Studium mit vertiefter Praxis: Theorie allein reicht nicht
Der Weg führte sie von Thüringen an die Hochschule Coburg – zu einem dualen Studiengang mit vertiefter Praxis. Eine Studienform, von der sie bis dahin noch nichts gehört hatte, für sie aber genau den richtigen Ansatz bot. Frühzeitiger Praxisbezug, Arbeiten im Unternehmen, direkte Anwendung des Gelernten: »Reine Theorie wäre für mich schwieriger gewesen.« Ihr Praxispartner aus der Automobilindustrie, Valeo Klimasysteme, eröffnete ihr Einblicke in industrielle Abläufe, Projektarbeit und technische Prozesse. Auch wenn sie während des Studiums nicht ausschließlich elektrotechnisch arbeitete, bestätigte sich ihr grundlegender Entschluss: Technik ist ihr Feld. Der enge Kontakt zur Praxis, der hohe Anspruch und die klare Struktur des dualen Modells empfand sie nicht als Belastung, sondern als Antrieb.

Gegenwind in der Schule – Rückhalt im Privaten
Nicht alles auf diesem Weg verlief reibungslos. Während Familie und Eltern sie von Anfang an unterstützten, erlebte Annika Zinke in der Schulzeit deutlichen Gegenwind – ausgerechnet von Lehrerinnen. Aussagen wie »Mach doch lieber etwas, was Frauen machen« oder »Das schaffst du sowieso nicht« blieben in Erinnerung. Erfahrungen, die sie heute klar einordnet: weniger als individuelle Kritik, mehr als Ausdruck veralteter Rollenbilder. Entscheidend war für sie, diesen Stimmen nicht nachzugeben. »Man darf sich nie selbst aufgeben, nur weil andere Zweifel säen.« Ein Grundsatz, der sich wie ein roter Faden durch ihren Werdegang zieht.

Vom Automobilsektor zur Energieverteilung
Nach dem Studium blieb sie zunächst in der Automobilindustrie, wechselte intern in den Bereich Bedien- und Steuergeräte, übernahm Verantwortung im Prototypenmanagement und arbeitete an der Schnittstelle zwischen Hardware, Software und Mechanik. Technisch anspruchsvoll – aber langfristig nicht ihre Perspektive. Die wirtschaftlichen Gegebenheiten in der AutomotiveBranche wurden zum Wendepunkt. Anfang 2024 bewarb sie sich bei Wöhner (vgl. Kasten »Über Wöhner«) auf eine Stelle im Produktmanagement – und fand dort das Umfeld, das sie gesucht hatte. »Die Branche, die Produkte, das Umfeld – das hat für mich sofort gepasst.« Heute schätzt sie besonders die Vielfalt der Aufgaben: Nähe zur Konstruktion, technischer Tiefgang, aber auch Schnittstellen zu Vertrieb und Marketing. Elektrotechnik zeigt sich hier nicht als Nische, sondern als verbindendes Element.

Elektrotechnik als Zukunftsbranche
Was sie an der Elektrotechnik fasziniert, ist deren grundlegende Bedeutung: »Strom braucht man immer.« Für Annika Zinke ist die Branche deshalb nicht nur technisch spannend, sondern gesellschaftlich relevant. Produktvielfalt, Design, Anwendung – all das macht den Reiz aus. Gleichzeitig sieht sie klar, wo Nachholbedarf besteht: Noch immer fehlt es vielen jungen Frauen an Mut, Vorbildern oder Unterstützung. Nicht aus mangelndem Können, sondern aus Unsicherheit. Ihre Botschaft ist klar und frei von Ideologie: ausprobieren, Erfahrungen sammeln, kleine Schritte gehen – und sich nicht durch Erwartungen anderer begrenzen lassen.

Soziales Engagement und eine klare Botschaft
Diese Haltung lebt Annika Zinke auch außerhalb des Berufs. Als Yogatrainerin oder auch als Wanderleiterin beim Deutschen Alpenverein schafft sie für sich und andere einen Ausgleich, fördert Achtsamkeit und Gemeinschaft. Zudem engagierte sie sich als Mentorin für das Erstsemester an der Hochschule Coburg – ein bewusstes Zurückgeben an die, die nach ihr kommen. Auch ihr Statement auf einem Social-Media-Kanal zeigt, wofür sie steht: für einen Weg, der Selbstbestimmung, innere Balance und gegenseitigen Respekt betont – nicht Abgrenzung oder Schuldzuweisungen: »Ich finde diesen ‚Feminismus‘, wie er heute an den Tag gelegt wird, nicht sinnvoll, denn wir wollen ja ein Miteinander, ein gesundes Miteinander. Und das schaffen wir halt nur, wenn wir uns nicht gegenseitig hassen.« Weiblichkeit und Stärke sieht sie demnach nicht als Gegensätze, sondern als Ergänzung. Eine Haltung, die auch im beruflichen Kontext wirkt. »Ein Projekt-Team sollte stets aus einem Mix aus Frauen und Männern bestehen. Dann funktioniert das Arbeitsleben entschieden besser, da wir Frauen anders kommunizieren, anders agieren in unserem Arbeitsalltag und ich denke, einer so männerdominierten Branche wie der Elektrotechnik kann das auf lange Sicht nur gut tun und wird bessere Ergebnisse hervorbringen.

Vorbild ohne Zeigefinger
Annika Zinke möchte nicht missionieren. Sie möchte zeigen, dass es funktioniert, dass Elektrotechnik kein Männerberuf ist (siehe auch Kasten »Initiative für mehr Frauen im E-Handwerk«), dass unterschiedliche Blickwinkel eine Branche bereichern und dass Gleichberechtigung nichts mit Gleichmacherei zu tun hat. Gerade im Elektrohandwerk und in der Industrie sind solche Stimmen wichtig – nicht laut, nicht polarisierend, sondern reflektiert und praxisnah. In der Mischung aus fachlicher Kompetenz, persönlicher Klarheit und gesellschaftlichem Engagement verkörpert Annika Zinke genau das, was eine Elektroheldin ausmacht und was sie heute schon ist.

Initiative für mehr Frauen im E-Handwerk
Mit der Initiative »Elektroheldinnen« setzen sich der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) und Partner dafür ein, mehr Frauen für Berufe des Elektrohandwerks zu gewinnen und sichtbar zu machen. Ziel ist es, Rollenbilder aufzubrechen und weibliche Fachkräfte sowie Auszubildende als Vorbilder zu präsentieren. Über Social-Media-Kampagnen, Praxisgeschichten und Informationsangebote werden Einblicke in den Berufsalltag gegeben und Karrierewege aufgezeigt – von der Ausbildung bis zur Meisterin oder Unternehmerin. Gleichzeitig richtet sich die Initiative an Betriebe, die für eine offene Unternehmenskultur und gezielte Nachwuchsförderung sensibilisiert werden. »Elektroheldinnen« versteht sich damit als Beitrag gegen den Fachkräftemangel und für mehr Diversität in einer Branche, die durch Energiewende und Digitalisierung stark wächst.

Quelle: de – das elektrohandwerk, Ausgabe 7.2026

Wöhner GmbH & Co. KG
Elektrotechnische Systeme
Mönchrödener Str. 10
96472 Rödental
Germany

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